Rückblick: Mein September 2021

Der Herbst ist da, und ich habe mich noch selten so darauf gefreut. Von jedem Gang vor die Tür komme ich mit den Hosentaschen voller Kastanien zurück, und ich liebe das goldene Licht, auch wenn es beim ersten Kaffee morgens auf dem Balkon schon echt kalt ist.

Der 11. September

Zwanzig Jahre ist es jetzt her, und diesmal ist es mir noch näher gegangen als sonst. Vielleicht weil noch mehr im Vorfeld berichtet wurde als in den Jahren davor. Jeder kann sich ja erinnern, wo er war, als er vom Einsturz der Zwillingstürme erfuhr.

Ich war gerade seit sechs Wochen zum Studieren in Los Angeles. Wir hatten im Studentenwohnheim weder ein Radio noch einen Fernseher, und es war ja lange vor den ersten Smartphones. Ich war auf dem Weg zur Uni, und auf dem Campus begegneten mir Brian und Drew, die gerade in ein Gespräch vertieft waren. Flugzeuge, die ins World Trade Center krachen. Kam mir vage bekannt vor, ich dachte, es geht um einen Film. Auch sonst: Keine Panik auf dem Campus, alle gingen ihrer Wege, ein ganz normaler Tag.

Bis dann auch mein Dozent im Financial Accounting-Kurs von diesen Flugzeugen erzählte. Kein Film also. Trotzdem klang es ziemlich weit hergeholt, und noch war keiner so richtig beunruhigt. Ich ging nach dem Kurs ins Computer-Labor, und da war es, das ganze Internet voll davon. Den Rest des Tages verbrachte ich vor meinem Bildschirm im Lab, las mich durch die Berichterstattung auf allen deutschen Nachrichtenseiten. Immer noch ziemlich ungläubig. Wenn ich mich umsah: Auf allen Monitoren das gleiche, in allen Sprachen der Welt. Und immer wieder die schrecklichen Videos. Und jede Menge Fragezeichen. Ein Flugzeug sollte noch unterwegs sein nach Los Angeles.

Wie betäubt ging ich irgendwann nach Hause. Im Wohnheim hingen schon selbstgemalte amerikanische Flaggen in einigen Fenstern. Am Abend eine erste Mahnwache unten im Gemeinschaftsgarten, eine von vielen weiteren, die folgen sollten. Am nächsten Morgen ging ich wieder ins Computer-Labor, schrieb eine mail an alle zu Hause. Und kopierte die mail dann auf eine Seite meines Lieblings-Radiosenders zu Hause, dort war man aufgerufen, seine Gedanken zu teilen. Kurz darauf bekam ich eine eMail vom Sender, man wollte mich interviewen. Wenige Tage später wurde das Interview gesendet, ich habe es leider selbst nie gehört. Im Nachhinein kann ich mich gar nicht erinnern, was ich gesagt habe.

Die Warnstufe war hoch, blieb hoch, sank im ersten Jahr nie unter Orange. Vor jedem Feiertag, vor Halloween, vor Thanksgiving, vor Weihnachten, immer wurde sie wieder auf Rot erhöht. Anspannung und so ein Grummeln im Bauch, das verbinde ich mit den Feiertagen in diesem Jahr.

Mein Fotoalbum aus dieser Zeit zeigt viele brennende Kerzen.

Die erste Mahnwache von vielen.

Meine erste #Blognacht 👩🏻‍💻

Ein echtes Highlight diesen Monat war dagegen meine erste Blognacht. Darüber habe ich hier einen Artikel geschrieben – vielleicht bist du beim nächsten Mal ja auch dabei, der nächste Termin ist am 22.10.21!

Auf nach Köln 🚂

Jetzt gerade, am 02. Oktober, sitze ich in meinem Hotelzimmer in Köln, ich bin hier mit einer Freundin, die ich viel zu selten sehe. Die Anreise gestaltete sich aus beiden Richtungen schwierig – von Norden kommend Personen im Gleis und doppelte Reservierungen, von Süden aus ein Stellwerksausfall. Immerhin – als wir endlich beide angekommen waren und uns vor dem Dom in die Arme fielen, hatte die Check-In-Zeit im Hotel bereits begonnen und unsere Zimmer waren fertig. Abends der nächste Schock: „Unser“ Italiener am Heumarkt ist eine Baustelle! Zwar fanden wir leckeren Ersatz ein paar Straßen weiter, aber so war das nicht gedacht, Köln! Den geplanten Absacker an der Hotelbar bekamen wir auch nicht – dank Corona abends kein Barbetrieb 😵‍💫 Wir zogen nochmal los und fanden einen Platz vor dem Funkhaus. Trotz Wärmelampe wurde uns irgendwann kalt – der Herbst ist wirklich da 🍁 Die weiteren Köln-Tage gibt es dann im Oktober-Rückblick 😊

Immer wieder besonders: Der erste Blick auf die Domspitzen vom Zug aus.

Gelesen im September 📚

  • Lisa Jewell: The Night She Disappeared. Fand ich echt spannend.
  • Anette Hinrichs: Die Tote am Strand. War ein Hörbuch, hat mich leider ziemlich kaltgelassen, und die Figuren waren mir bis zum Schluss herzlich egal.
  • Ocean Vuong: Auf Erden sind wir kurz grandios. Dafür habe ich lange gebraucht. Ich glaube, ich wollte es lieber mögen als ich es dann tatsächlich mochte.
  • Michael Hjorth, Hans Rosenfeldt: Die Opfer, die man bringt. Eigentlich liebe ich die Bücher um Sebastian Bergman, dieses irgendwie nicht so. Spannender als der aktuelle Fall war die Story um Billy.
  • Ben Aaronovitch: What Abigail Did That Summer. Abigail und die sprechenden Füchse muss man einfach toll finden!  Ich liebe die „Flüsse von London“, obwohl ich beim ersten Band zwei Anläufe brauchte – inzwischen erwarte ich ungeduldig jeden neuen Band.
  • Jasmin Schreiber: Marianengraben. Eine Empfehlung der Buchhändlerin meines Vertrauens, danke dafür 😊 Die ersten 50 Seiten lang habe ich nur geheult, aber es wurde dann einfacher und stellenweise auch sehr lustig. Auch wenn immer wieder aus heiterem Himmel Sätze fielen, bei denen ich wieder losheulen musste.
  • Rick Riordan: Der verschwundene Halbgott. War ein Hörbuch aus der Reihe „Helden des Olymp“ – bin ich nicht so gut reingekommen, aber ich habe vor ein paar Jahren (also deutlich nach meinem YA-Literatur-Alter) Percy Jackson durchgesuchtet – mit den Helden des Olymp geht die Geschichte weiter. Gerade höre ich Band 2: Der Sohn des Neptun.

2 Gedanken zu „Rückblick: Mein September 2021“

  1. Hey Stefanie,
    ja das 20jährige Jubiläum dieses traurigen Tages… Ich war eher schockiert, dass es schon wieder so lange her ist. Gefühlt waren es für mich maximal 10 Jahre. Aber gut. 😉 Das ist nur mein Subjektives was-auch-immer-ding. 🙂

    Ich wünsche wunderhübsche Tage in Köln und ganz viel Spaß! 😉

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