Warum ich Persönlichkeitstests nicht mag – und warum sie vielleicht doch nützlich sind.

Ich bin – dem MBTI, dem Myers-Briggs-Typenindikator zufolge – eine „Verteidigerin“. Das klingt nicht allzu sexy, ist aber tatsächlich nicht der Grund, weshalb ich Persönlichkeitstests eigentlich gar nicht leiden kann.

Das hängt nämlich eher damit zusammen, dass ich solche Tests ultra anstrengend finde. Stimmt/stimmt nicht. Stimmt voll und ganz, stimmt ein bisschen, stimmt nie und nimmer und stimmt manchmal und manchmal auch nicht.

Die Fragen sind mir gleichzeitig zu konkret und zu abstrakt, und hängt es nicht auch immer von meiner Tagesform ab, wie ich antworte? Deswegen versehe ich das Ergebnis in Gedanken immer mit einem großen Fragezeichen, und dann braucht man den Test auch eigentlich gar nicht erst zu machen. Außer natürlich die wirklich sinnvollen Tests wie „Welcher Friends Charakter bist du?“ (Chandler natürlich. Dafür hätte ich keinen Test gebraucht.)

Aber na gut, den MBTI habe ich über die Jahre aus verschiedenen Anlässen schon mehrmals gemacht, und tatsächlich kam bisher immer dasselbe heraus: ISFJ-T, „Verteidiger“. Illustriert wird dieser Typ von einer kleinen Krankenschwester, die ist immerhin ganz niedlich. Und wenn ich immer wieder hier lande, ist dann vielleicht nicht doch was dran?

Was macht eine Verteidigerin aus?

Verteidiger gehören nach dem MBTI zu den Wachen und zeichnen sich dadurch aus, dass sie absolut loyal, zuverlässig und großzügig und von dem Wunsch getrieben sind, Gutes zu tun. Sie versetzen Berge, um anderen zu helfen, und sie lieben es, anderen Freude zu bereiten. Sie stehen nicht gern im Rampenlicht, sie machen nicht gern auf sich aufmerksam, und deswegen werden sie und ihre Leistungen manchmal ganz gern übersehen. Auch neigen sie dazu, sich ausnutzen lassen – weil sie so freigebig mit ihrer Hilfe und so auf Harmonie bedacht sind. Sie müssen lernen, nein zu sagen.

So weit, so richtig. Ich bin zum Beispiel wirklich sehr zurückhaltend – meine Beiträge werden oft nicht gehört. Ich warte, bis jeder alles gesagt hat, ehe ich mich selbst zu Wort melde – und dann ist oft auch noch die letzte Gelegenheit verstrichen, mir selbst Gehör zu verschaffen.

Und ich hasse es, im Mittelpunkt zu stehen. Aber in one-on-one-Situationen bin ich ziemlich gut. Ich kann gut zuhören, und mich interessiert, was du zu sagen hast. Ich helfe gern, und es zieht mich ziemlich runter, wenn meine Hilfe nicht angenommen oder gar abgelehnt wird – oder ich es manchmal gar nicht wage, sie anzubieten. Zu helfen, das ist auch der Grund, warum ich die Yogalehrer-Ausbildung mache, warum ich zwei Reiki-Grade nach Usui habe und den ersten Kundalini Reiki Grad. Und warum ich die Karten lege.

Warum so ein Test vielleicht doch ganz nützlich sein kann

Als ich die Beschreibungen zu meinem Persönlichkeitstyp las, dachte ich immer wieder: Ja, passt. Stimmt. Geht mir wirklich so. Das kenne ich auch.

Und irgendwie ist so eine Bestätigung ja auch was Feines. Wir wollen ja schließlich wissen, wie wir ticken und warum. Und wenn man es dann neutral formuliert liest, freundet man sich vielleicht auch mit Eigenschaften an, die man an sich noch nie mochte oder verstanden hat. Vielleicht versöhnt es uns mit unserer Persönlichkeit, weil wir verstehen, warum wir in dieser oder jener Situation immer wieder getriggert werden oder auf die immer gleiche Weise reagieren.

Es ist auch nützlich, um unserem Gegenüber zu zeigen, wer wir sind und was man von uns erwarten darf – und was nicht.

Was mein Persönlichkeitstyp für meine Arbeit mit den Karten bedeutet

Ich bin eher praktisch und pragmatisch unterwegs. Hier gibt es keine Glaskugel, keine Räucherstäbchen und keine schwarzen Raben – hier gibt es einen Becher Kaffee und Kekse, es gibt Platz an meinem Küchentisch, es gibt dich und mich und 78 Karten.

Ich bin zuverlässig und geduldig, phantasievoll und aufmerksam, dabei empathisch. Ich sehe auch immer die andere Perspektive, ich bin begeisterungsfähig, hoch loyal und fleißig. Wir legen deine Karten und finden gemeinsam heraus, was Sache ist. Zusammen betrachten wir deine Situation und die Möglichkeiten, die du hast.

Ich unterstütze dich, ich sehe dich ganz. Aber ich werde dir keine Schönwetter-Prognosen geben, sondern dir helfen, deinen Weg zu finden – Möglichkeiten, wie du aktiv dein Leben steuern kannst.

Ich bin freundlich, ich habe immer ein offenes Ohr, und ich werde immer versuchen, mit dir gemeinsam Lösungen zu finden. Ich strebe nach Harmonie und einem guten Miteinander – aber ich werde dir nicht das Blaue vom Himmel versprechen, auch wenn ich das lieber täte. Von mir hörst du, was die Karten sagen – nicht mehr und nicht weniger.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.