Was ist eigentlich.. Tarot?

Zuletzt aktualisiert am 10. September 2021 von Stefanie

Tarot kennt jeder, zumindest aus Filmen – bei dem Wort sieht man vor seinem inneren Auge doch sofort eine gruselige alte Hexe, die in ihrem düsteren Kämmerchen naiven Fragestellern beim Kartenlegen das Geld aus der Tasche zieht, indem sie jungen Mädchen den Ritter auf dem weißen Pferd verspricht.

Oder so: Kerzen flackern, die Alte kichert schon so unheilvoll, draußen: Blitz und Donner, und dann dreht sie die Karte mit dem Turm um. Oder die mit dem Tod! Oder die Zehn der Schwerter!

Ja, da weiß man doch gleich, was Sache ist: Tarot ist Wahrsagerei und gefährlicher Unsinn, es ist esoterischer Quatsch und bringt Unglück, und wer die Karten legt, der ist mit dem Teufel im Bunde! Und so weiter und so fort.

Was Tarot wirklich ist

Aber halt stopp mal – zunächst mal ist Tarot einfach nur ein Kartendeck oder Kartenspiel, das aus 78 verschiedenen, bunt bedruckten Karten besteht. Und die werden in großen Fabriken hergestellt aus Pappe und Farbe. Und sind damit also in etwa so unheimlich und esoterisch wie ein Peppa Wutz Malbuch 🐷

Ein Tarotdeck besteht aus drei Teilen, den Großen Arkana, den Kleinen Arkana und den Hofkarten.

Die Großen Arkana sind die 22 Trumpfkarten, nummeriert von der Null, dem Narren, bis zur 21, der Welt. Dabei handelt es sich um Archetypen, die jedem von uns im Verlauf des Lebens begegnen, es sind große, übergeordnete Lebensthemen, die wir durchlaufen.

Die Kleinen Arkana bestehen aus jeweils 10 Karten in den Reihen der Stäbe, Schwerter, Kelche und Münzen. Diese sind den Elementen Feuer, Luft, Wasser und Erde zugeordnet. Hierbei handelt es sich um Themen, die uns im Alltag begegnen.

Und dann sind da noch die 16 Hofkarten, jeweils Page, Ritter, Königin und König in den einzelnen Elementen. Diese können – je nach Auslegung – für mich, für dich, für Dritte stehen oder aber für Aspekte unserer eigenen Persönlichkeit.

Was Tarot nicht ist

Tarot ist artverwandt, aber nicht dasselbe wie Orakelkarten. Zwar gibt es Ähnlichkeiten in der Aufmachung und Verwendung, aber Orakelkarten folgen nicht dem Aufbau eines Tarot-Decks. Auch kann ein Orakel-Deck aus weit mehr oder weit weniger als 78 Karten bestehen. Zu den bekanntesten Orakelkarten zählen Lenormand- und Kipper-Karten, es gibt aber auch unzählige „freie“ Interpretationen, und täglich werden es mehr (Tarotdecks übrigens auch).

Wo Tarot herkommt

Tarot gibt es schon seit Hunderten von Jahren, ursprünglich hat es wohl der italienische Adel tatsächlich noch wie ein Kartenspiel gespielt. Erst seit den 1700ern wird Tarot zur Weissagung genutzt. Auch andere Einflüsse, die mit den Karten verknüpft sind, wie Astrologie oder Kabbalah, wurden erst später hinzugefügt. Selbst die Darstellungen auf den Karten haben mehr als eine Weiterentwicklung erfahren – im Original zeigen zum Beispiel die sechs Stäbe: Sechs Stäbe. Beim Tarot de Marseille ist das übrigens heute noch so.

Weil es aber gar nicht so einfach ist, aus drei Münzen oder sechs Stäben eine Bedeutung herauszulesen, reicherte Arthur Edward Waite die Karten der Kleinen Arkana mit Illustrationen an. Erschienen ist das Deck erstmals 1910 im Rider-Verlag in London, und gezeichnet hat die Bilder die Künstlerin Pamela Colman Smith. Daher der Name dieses heute weltweit bekannten Kartendecks: Rider-Waite-Smith oder kurz: RWS. Um dieses Deck und seine Klone (dazu später mehr) soll es auf diesem Blog gehen.

Neben dem RWS Tarot und dem Tarot de Marseille gibt es noch eine dritte große Tradition: Das Thoth Tarot, entwickelt von dem britischen Okkultisten Aleister Crowley und gestaltet von der Künstlerin Lady Frieda Harris. Mehr noch als die anderen beiden Systeme basiert das Thoth Tarot auf kabbalistischen Einflüssen, Astrologie und Alchemie.

Und wozu ist Tarot eigentlich gut?

Wenn Tarot also nicht dazu dient, in die Zukunft zu blicken und die große Liebe, Tod und Verderben anzukündigen – ja wozu denn dann?

Tarot erlaubt uns, hinter den Vorhang zu schauen und das Verborgene – auch in uns selbst – zu erkennen. Tarot kann uns helfen, unsere Situation und uns selbst besser zu verstehen und dem einen Sinn zu geben, was uns widerfährt.

Zum Beispiel können die Karten unser Bauchgefühl bestätigen, wenn wir eine Entscheidung zu treffen haben. Sie können uns eine Lösung zeigen, wenn wir feststecken, auf die wir einfach nicht von selbst gekommen sind. Oder sie helfen uns, das große Ganze zu sehen, die großen Themen und Zusammenhänge, die uns sonst verborgen bleiben.

Tarot ist also kein Instrument der Wahrsagerei, sondern eins der Wahrheitsfindung und der (Selbst-)Erkenntnis. Denn die Zukunft ist ja nichts, was von außen über uns hereinbricht und in Stein gemeißelt ist – wir haben sie selbst in der Hand, und Tarot ist ein Werkzeug der Selbstwirksamkeit und Selbstermächtigung, mit dem wir sie gestalten können.

 


Illustrations from the Universal Waite Tarot deck reproduced by permission of U.S. Games Systems, Inc., Stamford, CT 06902.  c. 1990 by U.S. Games Systems, Inc.  All rights reserved.  The Universal Waite Tarot deck is a registered trademark of U.S. Games Systems, Inc.

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